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So lernt dein Kind den Umgang mit starken Gefühlen leichter

Wie der Umgang mit Emotionen gelernt werden kann

"Nein! Ich will aber nicht! Ich will die doofe Jacke nicht anziehen!"


Schreit unser Kind voller Wut und wirft das verhasste Objekt mit Karacho auf den Boden! Wir haben es eilig und wollen aus dem Haus und nun diese Situation. Gestern war die Jacke noch in Ordnung...was ist da los?


Weshalb rasten unsere Kinder wegen scheinbarer Kleinigkeiten plötzlich so aus?


Solche heftigen Reaktionen zeigen Kinder, wenn sie von Situationen und ihren Gefühlen überfordert sind. Für einen angemessenen Umgang mit starken Gefühlen brauchen Kinder nicht nur uns als Vorbilder, dieser ist auch mit der Entwicklung und Reifung einer bestimmten Hirnregion verbunden, dem Präfrontalen Kortex. Diese Hirnregion ist verantwortlich für die sogenannten "exekutiven Funktionen" und langfristig zuständig für z.B. die Impulskontrolle, das Warten können, das Regelverständnis, die Aufmerksamkeit und die Konzentration.


Dieser Bereich des Gehirns beginnt sich erst ab dem zweiten Lebensjahr zu entwickeln und reift keineswegs einfach so - das Kind muss konkrete Erfahrungen machen, in welchem z.B. Impulskontrolle "gefragt" ist.


Was muss ein Kind können, damit es seinen ersten Impuls schon unterdrücken kann?

  1. Eine impulsive Reaktion kann nur mit einer "Hemmung" einer sogenannten Inhibition "beherrscht" werden. Dann haben wir etwas Zeit darüber nachzudenken, welche Reaktion jetzt angemessen wäre und handeln dementsprechend. Die Fähigkeit der Reaktionshemmung benötigt z.B. Erfahrungen darüber, wie man sich etwas beruhigen kann.

  2. Auch die Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses ist relevant. Um mit Informationen adäquat umgehen zu können, müssen sie erst gespeichert, verstanden und verarbeitet werden. Das ist langfristig auch der Schlüssel zum Planen der eigenen Handlungen und zur Reflexion darüber. Wesentlich ist

  3. Wesentlich ist außerdem die Fähigkeit zur Neuausrichtung der eigenen Aufmerksamkeit. Denn dann können Kinder sich von unangenehmen Gefühlen ab - und entweder angenehmen Gefühlen oder Situationen zuwenden.


Die Ausreifung der exekutiven Funktionen dauert viele Jahre. Allerdings ist das Alter von 2 - 6 Jahren sehr bedeutsam.

Auch wenn wir als Eltern uns meist nur mit den von uns negativ bewerteten Gefühlen auseinandersetzen, da sie es sind, die uns unter Umständen in Stress versetzen, sollten wir mit unseren Kindern über alle Emotionen nicht nur sprechen, sondern ihnen auch zeigen, was sie tun können, um sich wieder selbst zu beruhigen.

Wenn unser 2-4 jähriges Kind schreit und "ausrastet", ist das ausschließlich deshalb so, weil es noch nicht dazu in der Lage ist, sich selbst zu beruhigen. Unser Kind fühlt seine Emotionen noch ungefiltert und kann sie noch nicht über das Nachdenken steuern. Es braucht jemanden, der es Co-reguliert und dabei ruhig, klar und freundlich ist.

Wenn unser Kind schreit und weint, dann braucht es niemand, der an seine Vernunft appelliert, auf es einredet oder ihm Kompromisse anbietet. es braucht einfach Eltern, die seine starken Gefühle nicht auf sich beziehen, sondern erkennen, dass es überfordert ist und ruhig und freundlich bleiben.


So kannst du spielerisch mit deinem Kind den Umgang mit Emotionen üben:

  1. Abends, wenn unser Kind im Bett liegt oder noch vor dem Abendessen erzählt jeder aus der Familie, was heute schön und was heute traurig oder auch ärgerlich war. Schön ist es, wenn wir als Eltern dann jeweils noch sagen, was wir gemacht haben, um wieder ruhig zu werden oder wieder fröhlich und das Kind danach fragen, damit es lernt darüber zu reflektieren und nachzudenken. So kommt es nach und nach selbst auf Ideen.

  2. Mit dem Kind zusammen Emotionen nachspielen und sich dabei gegenseitig abfotographieren und die Fotos aufhängen und über die jeweiligen Emotionen sprechen und was wir in den Situationen machen können. z.B. Auch kleinen Kindern kann man schon die Möglichkeit zeigen, wie wir uns über langsames bewusstes Ein- und Ausatmen wieder beruhigen können. Aber auch zappeln, tanzen oder singen helfen bei starken Emotionen.

  3. Übe dich mit deinem Kind gemeinsam in Achtsamkeit. Halte immer wieder mal am Tag inne und betrachtet gemeinsam ganz genau eine Blume oder ein kleines Tier am Wegesrand. Sprecht über die Farben, den Duft usw. Auch beim Essen bietet sich diese Übung an: Wir essen jetzt mal gaaaanz langsam und versuchen mal alle Geschmäcker herauszufiltern.

  4. Halte immer mal wieder inne und frage dein Kind, wie es sich fühlt und was es denkt. Frage auch ein kleines Kind nach seiner Meinung zu allem möglichen - so fühlt es sich ernst genommen und lernt bewusst nachzudenken und seine Emotionen immer bewusster zu spüren und zu verbalisieren.

  5. Schenke deinem Kind ein schönes Heft, dass es als "Emotionsheft" verwenden kann. Wenn es noch nicht schreiben kann, kann es hier seine Wut hinein malen - wenn es älter ist sie einfach aufschreiben.

  6. Setzt euch nach einem Streit noch einmal mit eurem Kind zusammen und überlegt, was ihr das nächste Mal besser und anders machen könnt. Sprecht darüber, was schwierig für euch war und was ihr in Zukunft anders machen wollt. Verabredet vielleicht sogar ein Zauberwort?


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