Trotzphase oder Selbstbestimmung?

Aktualisiert: März 14


trauriges_Kind | Trotzphase_mit_5

Früher nannte man den Beginn der Selbstbestimmung von Kindern "Trotzphase".


Der Begriff veranschaulicht deutlich, wie sehr sich heutzutage der Blick auf Kinder , Beziehung und Entwicklung zum Glück verändert hat.



Ich bin in den 60er Jahren groß geworden.

Selbstbestimmung bei Kindern - war undenkbar - ein Fremdwort.

Kinder hatten zu gehorchen - und wenn sie das nicht taten, dann wurde dafür gesorgt.

Unsere gesamte damalige Gesellschaft machte sich darüber weiter keine Gedanken.


Der Begriff "Trotzphase" verdeutlicht also, wie Kinder noch vor wenigen Jahren gesehen wurden.


Er impliziert, dass die Gefühle eines Kindes nicht ernst genommen werden müssen.

Er impliziert, dass da etwas mit dem Kind in die verquere Richtung läuft, dass es zu ändern gilt.

Er impliziert, dass das Kind einfach nur stur an etwas festhält und wir Eltern diese Zeit "überstehen" müssen - ihm aber seine Flausen "austreiben".


Die meisten Eltern denken heute anders und wollen ihrem Kind nicht nur ihre Liebe und Verbundenheit geben, sondern legen großen Wert auf den scheinbaren Gegenspieler: seine Selbstbestimmung.


Aus dieser sehr sensiblen Verbindung von Liebe/ Beziehung, Selbstwirksamkeit und seinen scheinbaren Gegenspieler, der Autonomie erwächst über die Jahre unser Selbstwert.


An dieser Stelle kannst du schon erkennen, wie enorm wichtig es ist, wie du mit deinem Kind während der Entwicklung seiner Selbstbestimmung umgehst.


Das erste Wort deines Kindes ruft noch große Begeisterung und Freude hervor.

Jedes neue Wort wird staunend wiederholt und anderen sofort mitgeteilt.

Wenige Monate später verändert sich die Reaktion schlagartig, wenn dein Kind plötzlich vehement „Nein“ zu dir sagt.


Dein Kind beginnt - meist um sein zweites Lebensjahr herum - wahrzunehmen, dass seine Wünsche und Bedürfnisse nicht immer mit deinen Vorstellungen übereinstimmen.

Es beginnt sich immer mehr "getrennt" von dir zu erleben.


Es lernt um seinen zweiten Geburtstag herum sich selbst wahrzunehmen und damit auch die Fremdwahrnehmung. Es lernt, dass es ein Ich gibt und ein Du.


Es versteht sich jedoch noch längst nicht als eigenständigen Menschen. Es ist noch immer sehr verbunden mit dir und der Welt. Es weiß noch nicht, dass es so etwas wie eine anderePerspektive auf die Welt gibt.


Es erlebt, dass es nicht immer bekommt was es will - und das ist auch ganz richtig so - auch das ist ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung, da es dadurch zwei wichtige Dinge erfährt:


1. Jemand anderer hat eine andere Sicht auf mich und die Welt. Wie wirke ich auf andere?

2. Andere haben ebenfalls Bedürfnisse und Wünsche, die mit meinen nicht immer übereinstimmen. Und auch diese müssen berücksichtigt werden. Es geht also nicht immer danach, meine Wünsche zu befriedigen.



Dein Kind und du - machen eine erste "trennende" Erfahrung - und das ist für euch beide nicht immer eine einfache Situation.


Dein Kind möchte mit seinen Wünschen, Bedürfnissen und Vorstellungen gesehen und gehört werden - wie jeder von uns. Es äußert meist vehement seine Wünsche indem es"Nein" sagt.


Du als Mutter musst ebenso lernen deinem Kind gegenüber authentisch und voller Liebe auch deine eigenen Wünsche und deine Bedürfnisse zu vertreten: Du musst ebenso "Nein" zu deinem Kind sagen.


Wenn dir das schwer fällt, hast du wahrscheinlich ein Kind, das scheinbar besonders "rebelliert", bzw. sehr stark auf seinen Wünschen besteht.


Das liegt daran, dass dein Kind sehr sensibel mit dir in Resonanz geht und von dir gerne das Gefühl von "Sicherheit und Orientierung" hätte. Es möchte erleben, dass du dir sicher bist, wenn du Entscheidungen triffst, damit es sich wiederum bei dir sicher und geborgen fühlen kann - auch wenn es seine Wünsche nicht erfüllt bekommt.


Unter anderem auch deshalb, hat dein "Nein" einen ganz anderen Stellenwert als das Nein deines Kindes.


Denn du als Mutter trägst immer und jederzeit die Verantwortung, wie es euch miteinander geht.


Entscheidend ist, dass du deinem Kind zeigst, dass du sein „Nein“ respektierst. Dass du seine Gefühle ernst nimmst, auch wenn du dich gegen seine Wünsche entscheidest.


Durch dein „Nein“ und dadurch, dass du immer die Verantwortung übernimmst, lernt dein Kind nach und nach sehr wichtige soziale Kompetenzen, fühlt sich sicher, erhält Orientierung und lernt dich als starke Persönlichkeit kennen.


Möglichkeiten, die beginnende Eigenständigkeit unserer Kinder gelassener und verständiger anzugehen:


1. Wut , Zorn und Enttäuschung - den Umgang mit Gefühlen muss dein Kind erst lernen


Du kannst nach und nach lernen, die starken, aufkommenden Gefühle deines Kindes als das zu betrachten, was sie sind: seine Frustration darüber, seinen Wunsch nicht erfüllt zu bekommen.


Dein Kind ist weder dazu in der Lage, seine aufkommenden starken Emotionen und Impulse zu regulieren, noch sie sprachlich auszudrücken.


Auch wenn es schon über einige sprachliche Fähigkeiten verfügt.


Seine Emotionen sind aber Realität und müssen folglich auch ausgedrückt werden.

Das geschieht bei kleinen Kindern noch ungebremst und deshalb meist laut und körperlich zugleich. Manche Kinder werden so sehr von ihren Emotionen „überschwemmt“, dass sie um sich schlagen und beißen. Betrachte diese Reaktionen als das, was sie sind: völlig normal.


Dein Kind braucht in diesem Moment weder Ermahnungen noch Erklärungen.

Es braucht nur deine Akzeptanz und Liebe.

Es braucht deine Anteilnahme und Respekt vor seinem starken Gefühl:


"Ich sehe, dass du wütend bist. Kannst du mir sagen wieso? Oder möchtest du einfach in den Arm genommen werden ?“

"ich sehe, dass du dir das richtig gewünscht hast und jetzt traurig bist. Soll ich dich ein wenig in den Arm nehmen?

"Ich sehe, dass es dir schwer fällt darauf zu verzichten. Soll ich dich trösten?"

"Ich weiß, dass es manchmal schwer fällt auf etwas zu verzichten, das fühlt sich nicht gut an, soll ich dich ein wenig trösten?"


Auf diese Weise zeigst du deine Entscheidung klar und deutlich, ohne dein Kind für sein starkes Gefühl zu beschuldigen.

Gleichzeitig zeigst du, dass du es wahrnimmst und dein Interesse und Mitgefühl gegenüber seiner Frustration.

Vielleicht wünschst du dir Hilfe, wenn es um diese Themen mit deinem Kind geht.

Schreibe mir einfach eine email unter:


kontakt@kinderhochdrei.de


oder telefonisch unter +49 176 621 00 257

Ich freue mich auf Dich! Claudia

Stichwort: Bindungsorientierte Erziehung.


2. Richte deine Aufmerksamkeit auf die gelingenden Momente


Wir Menschen haben leider die ungünstige Angewohnheit unseren Fokus eher auf die negativen Dinge die geschehen zu richten.

Sogar, wenn negative Vorkommnisse in der Minderheit sind, fokussieren wir uns leider darauf und "übersehen" die Positiven.


Deshalb müssen wir das bewusst üben:


Sage dir jeden Morgen , dass du deine Aufmerksamkeit bewusst auf die positiven Aspekte und Eigenschaften richtest, die heute passieren werden.

Richte deine Aufmerksamkeit darauf, wann, wie häufig und über welchen Zeitraum hinweg dein Kind bereitwillig auf dich „hört“.

Du wirst erstaunt darüber sein, wie häufig das geschieht.

Es hebt den Po, wenn ihm die Windel gewechselt wird, es hebt seine Arme, wenn ihm ein Shirt übergezogen wird, es putzt seine Zähne, wenn es darum gebeten wird, es schaut uns an, wenn es gerufen wird. usw.

Es zeigt also die meiste Zeit seine Bereitschaft zur „Zusammenarbeit“, ohne dass du dir diese Tatsache je bewusst machst.


Bewusst wird es uns erst, wenn es damit aufhört, uns seine eigenen Wünsche mitteilt und diese nicht zu unseren Vorstellungen passen.


Seine Wünsche zeigt unser Kind unkontrolliert - weil es noch nicht gelernt hat sich zu regulieren - keinesfalls um uns zu ärgern.


Es kann einfach noch nicht anders, da es andere Verhaltensweisen noch nicht gelernt hat.

Denn das braucht jahrelange Übung und vor allem uns als Vorbilder. Wir müssen ihm zeigen, und vorleben, wie wir mit starken Emotionen ruhig umgehen können. Wir können ihm zeigen, dass wir auf unseren Atem achten können. Wie wir Worte finden können, um zu sagen wie wir uns fühlen und dass wir ruhig bleiben, wenn es laut wird.

3. Sprich klar und verständlich


Wir gehen viel zu sehr davon aus, dass unsere Einschätzung einer Situation auch für unser Kind immer verständlich und vernünftig ist. Wir nehmen an, dass unsere Erklärungen unserem Kind ausreichen bzw. dass es unsere Erklärungen versteht, und danach zur Einsicht gelangt.


Dabei verkennen wir, dass wir uns häufig nicht klar ausdrücken und unser Kind unsere Erklärungen noch gar nicht verstehen kann.


Es versteht nur, dass es in diesem Moment nicht bekommt, was es sich wünscht und wird anschließend von seinen frustrierten Gefühlen „überrollt“.


Hilf ihm dabei, indem du ruhig bei deiner Entscheidung bleibst, eine deutliche, liebevolle Sprache sprichst und zeigst, dass du seine Wut und Frustration wahrnimmst und respektierst:


„Ich verstehe, dass du dir ein Eis wünschst, aber ich kaufe dir jetzt kein Eis.

ich sehe, dass es dir schwer fällt darauf zu verzichten. Ich tröste dich gerne, wenn du das möchtest.“


Vielleicht wünschst du dir Hilfe, wenn es um diese Themen mit deinem Kind geht.

Schreibe mir einfach eine email unter:


kontakt@kinderhochdrei.de


oder telefonisch unter +49 176 621 00 257

Ich freue mich auf Dich! Claudia

Stichwort: Bindungsorientierte Erziehung.


4. Hol dir in schwierigen Situationen Unterstützung


Wenn dein Kind zu schreien und zu toben beginnt, nachdem wir „Nein“ zu ihm gesagt haben, passiert es dir vielleicht manchmal - weil du das Toben und Schreien schlecht ertragen kannst- doch nachzugeben.

In manchen Fällen ist das völlig in Ordnung.

Manchmal sagen wir spontan zu etwas „Nein“, und wenn wir nochmal darüber nachdenken, wird uns klar, dass wir eigentlich keinen Grund dafür haben.


Es gibt aber Situationen, die dein „stabiles Nein“ benötigen, du aber trotzdem in Versuchung gerätst, nachzugeben. Vielleicht, weil du die Lautstärke und das Verhalten deines Kindes schwer aushältst bzw. Schwierigkeiten hast, dabei entspannt zu bleiben.

In solchen Momenten holst du dir am Besten Hilfe.

Du kannst mit einer guten Freundin vereinbaren, dass sie dir am Telefon den Rücken stärkt und dir noch einmal klar macht, weshalb es wichtig ist, klar zu bleiben und Ruhe zu bewahren.

Dadurch fühlst du dich nicht alleine und kannst in Momenten, die dir schwer fallen, trotzdem bei deinem Nein bleiben.

5. Für kleine Oasen und Ruhepausen sorgen


Mutter, Hausfrau, Ehefrau und berufstätig?


Dann ist es um so wichtiger, dass du dir notwendige Ruhepausen ermöglichst, damit du wieder aufatmen und zu Kräften kommen kannst.


  • Eine Auszeit ist die Schlafenszeit deiner Kinder. Du solltest sie nutzen!

Viele Mütter, die ich kenne machen dann in Windeseile den Haushalt oder oder oder

Das kannst du machen, wenn du viel Energie und bei Kräften bist - auch nervlich.

Während deiner Auszeit darf alles (Küche, Wäsche usw.) bewusst liegen gelassen werden

. Deine Ruhephasen musst du unbedingt in deinen Alltag integrieren - sonst nützen sie dir nicht

und sie sind immer wichtiger als der Haushalt!

  • Sich am Abend wohlig in ein warmes, duftendes Bad sinken lassen und die Türe hinter sich schließen kann sich wie im siebten Himmel anfühlen. Dabei kannst du deine Lieblingsmusik hören, eine duftende Kerze anzünden oder ein schönes Buch lesen.

Wärme und Ruhe entspannen und lassen uns wieder aufatmen.


  • Für Wärme und Entspannung zwischendurch sorgen: Eine Wärmflasche in den Nacken legen, sich in eine Decke kuscheln. usw.

  • Wer gerne läuft oder Fahrrad fährt, sollte seinen inneren „Schweinehund“ überwinden und am besten zwei Mal in der Woche in den Wald gehen. Das hilft dir nicht nur beim „Abschalten“, sondern setzt auch Glückshormone frei. Dein Körper und deine Gesundheit werden sich darüber freuen.

  • 10 Minuten Yogaübungen am Tag werden ebenfalls sehr zu deiner Entspannung beitragen und dabei helfen, neue Kraft zu schöpfen. Dazu gibt es viele DVDs im Handel oder entsprechende Videos im Internet.

  • Meditation und/oder bewusstes Atmen täglich. Wenn du regelmäßig, jeden Morgen - nur für 10 Minuten - eine Meditation durchführen und dich auf deinen Atem konzentrierst, wird dieser Einstieg dir den gesamten Tag über helfen und für mehr Grundgelassenheit sorgen: Setze dich aufrecht und bequem auf einen Stuhl oder auf ein Meditationskissen. Schließe die Augen und konzentriere dich nun auf deinen Atem. Lass ihn einfach fließen, so wie er kommt und geht: und beobachte. Wenn du dich dabei ertappst, an etwas zu denken, geh zu deinem Atem zurück.


6. Einen Abend frei machen


Sich hin und wieder einen ganzen Abend frei nehmen wirkt Wunder. Das kann zum Beispiel ein Treffen mit deiner besten Freundin sein, ein Kinobesuch, Theater, ein Konzert, Essen gehen - alles was Spaß macht und deine Batterien wieder lädt. Also regelmäßige Auszeiten nehmen, währenddessen an dich selbst denken und ganz bewusst genießen.

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
KONTAKT

Danke für Ihre Nachricht!