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Wie du dein Kind bei Fehlern unterstützen kannst

Aktualisiert: 30. Juni 2021


weiße_Lillie | Kinder erziehen

Innovationen, neue Ideen und Kreativität können dort entstehen, wo es keine Angst vor Fehlern gibt. Wo Menschen sich offen und wertschätzend begegnen und bereit sind "Kritik" offen zu äußern aber auch "Kritik" offen entgegen zu nehmen.

Diese Offenheit gegenüber Kritik in beide Richtungen, fällt den meisten Menschen sehr schwer.

Das hat unter anderem damit zu tun, dass wir Angst vor Fehlern haben, Angst haben uns lächerlich zu machen, und unseren "Wert" als Person häufig von den Bewertungen unserer Tätigkeiten oder Leistungen und den Bewertungen anderer Menschen abhängig machen.


Wir wollen, für das wer wir sind nicht bewertet werden.

Jeder Mensch wünscht sich zutiefst anerkannt und wertgeschätzt zu werden.


Unsere Gesellschaft beruht und fördert jedoch "Bewertung" und "Vergleich". Schon Kleinkinder werden in ihrer Entwicklung miteinander verglichen und spätestens ab der Schule wird unsere Leistung "bewertet". Die Gefahr, dass wir uns dadurch schnell abgewertet fühlen wenn unsere Leistung nicht den Erwartungen entspricht und wir bei anderen womöglich auch noch Enttäuschung hervorrufen, liegt auf der Hand.

Unsere Fehler werden als Kennzeichen unseres Versagens betrachtet.

Sie werden rot markiert und stechen auf diese Weise wie "Wunden" hervor.

Wir identifizieren uns immer mehr damit wie unsere Leistung bewertet wird und wenn diese schulische Leistung aus irgendwelchen Gründen schlecht ausfällt, sinkt unser Wert immer mehr.


Infolge haben wir immer mehr Angst davor uns zu "blamieren".

Wir haben Angst davor, vielleicht etwas Dummes zu sagen, was andere dazu verleiten könnte uns weiter abzuwerten.

Scham als "dumm" bezeichnet zu werden, hält sowohl Kinder als auch Erwachsene ab, Fragen zu stellen und ihre eigenen Ideen einzubringen.

Wir könnten ja belächelt und öffentlich als "Dummkopf" bezeichnet werden.

Wenn Kinder wiederholt erleben, dass "Fehler" nicht erlaubt und als unbedingt vermeidbar betrachtet werden oder ihre Fragen als "dumm" eingestuft werden, sinkt ihr Mut, ihre Entschlussfreudigkeit und ihre Kreativität rapide.


Ihr Glaube an ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, an ihren eigenen Wert sinkt ebenfalls.

Diese Kinder halten sich immer mehr zurück, geben Fehler eher nicht zu, haben häufig kein Durchhaltevermögen und halten sich für weniger intelligent.

Neue, kreative Ideen, Lösungen und Möglichkeiten entstehen nämlich nur in einer Atmosphäre, die Fehler nicht nur zulässt, sondern sogar als einen wichtigen Prozess von Entwicklung begreift.

Große Entdecker und Erfinder wie z.B. Thomas Edison (u.a. der Erfinder der Glühbirne) benötigte über 3000 gescheiterte Versuche, bis er die richtige Lösung gefunden hatte.

Er hatte 3000 mal keine Garantie, dass bei seinen Versuchen etwas Brauchbares entstehen wird - außer den Glauben an sich selbst und an seine eigenen Ideen.

Für ihn, waren sein wiederholtes Scheitern teil seiner Forschung und Entwicklung!

Wie Edison können wir lernen Fehler und Scheitern als Wegweiser zu betrachten, wenn wir das Selbstvertrauen unserer Kinder nicht untergraben wollen.

Fehler sind es nämlich nur dann, wenn ich nichts daraus lernen kann.

Jeder Fehler trägt ja ein Merkmal in sich, dass es zu verbessern gilt und an welchem ich mich orientieren kann.

Für kreative Prozesse, Innovation, Entwicklung und Lernen braucht es immer:

•  Mut

•  Fehlerfreundlichkeit

•  Durchhaltevermögen

•  Unbeirrbarkeit

Kinder im Vorschulalter überraschen uns häufig mit ihren fantasievollen, kreativen und witzigen Ideen, Aussagen und Überlegungen. Sie sind erfinderisch und scheuen keinesfalls vor Fehlern zurück. Fehler sind Teil des Lernens und ihrer gesamten Entwicklung - denken wir daran wie Kinder Sprache oder das Laufen lernen. Sie lernen nach und nach - nach jedem Fehler wissen sie besser wie es geht und genauso sollten wir auch in unserer Gesellschaft Fehler endlich begreifen.

Als wertvollen Zwischenschritt zum Ziel!              

Unsere Zukunft erfordert kreative und innovations-freudige Menschen, die sich den immer neuen Herausforderungen unserer Gegenwart mutig stellen. 

Menschen, die nach Fehlern nicht aufgeben, die es wagen unkonventionelle                  Zusammenhänge herzustellen und immer wieder nach neuen, anderen Lösungen suchen.

Lass nicht zu, dass dein Kind den Glauben an sich und sein kreatives Potential verliert!

Kreativität, Durchhaltevermögen und Fantasie braucht dein Kind mehr denn je.

Du kannst seinen Mut, seine Vorstellungskraft und seine Lust darauf, auch schwierige Situationen meistern zu wollen, unterstützen, indem du deine eigene Haltung und deine Reaktionen auf Fehler überprüfst und richtig ausrichtest.


Was heißt das?

1. Erzähle deinem Kind von deinen eigenen Fehlern und was du durch sie lernen konntest. z.B. :

„Heute habe ich vorschnell einen Menschen für sein Handeln verurteilt, ohne die Hintergründe dafür zu kennen. Dabei weiß ich eigentlich, dass das falsch ist."

Nun erzählst du deinem Kind, was du daraus gelernt hast und wie wichtig dieser Fehler dafür war. 

(z.B. Haben wir wirklich alle Informationen in einer Situation um beurteilen zu können, warum jemand auf eine bestimmte Weise reagiert?

Aus welcher Warte heraus betrachten wir eine Situation? usw.)


Wir sollten also unsere "Fehltritte" und unser scheinbares "Versagen" immer hervorheben und erklären, wie wir trotzdem durchgehalten und was wir dadurch alles gelernt haben.

Damit unsere Kinder lernen, dasselbe zu tun.

2. Richtig Loben

Wenn dein Kind einen guten Test geschrieben hat, lobst du es vielleicht dafür, indem du ihm sagst, wie klug es doch sei.

Du möchtest ihm damit deine Anerkennung geben und es dafür loben.

Leider bewirkst du damit aber das genaue Gegenteil.

Die Psychologin Carol Dweck hat nachgewiesen, dass in unseren Kindern auf diese Weise der Eindruck entsteht, dass sie zu ihrer Leistung nicht wirklich etwas beitragen können, da der Grund für ihren guten Test ja ihre Intelligenz sei.

Ihre Forschungen haben gezeigt, dass Kinder die von ihren Eltern für ihre Intelligenz gelobt wurden, sich einer darauffolgenden, schwierigen Aufgabe nicht mehr gestellt haben, da sie Angst hatten, es nicht noch einmal so gut zu schaffen und womöglich zu versagen.

(Was ist, wenn ich gar nicht so schlau bin, wie meine Eltern glauben?)

Kinder die jedoch „nur“ für ihre Bemühung und ihre Anstrengung gelobt wurden, und deren Eltern z.B. auf diese Weise lobten:


"Wow. Da hat sich ja dein vieles Üben und Lernen wirklich gelohnt" oder "da kannst du sehen, wie deine Anstrengungen sich lohnen. Gut gemacht!"


Diese Kinder freuten sich auf die Herausforderung von folgenden, schwierigen Aufgaben und stellten sich diesen gerne.

Was heißt das für uns Eltern?


Für uns heißt das, dass wir vor allem die Bemühungen unserer Kinder, ihr Durchhaltevermögen, ihre Ideen, ihren Mut, ihre Anstrengungen loben sollten und nicht ihre Intelligenz hervorheben.

3. Genauso wichtig wie der Umgang mit Lob ist der Umgang mit Fehlern und Rückschlägen deiner Kinder.

Eine wissenschaftliche Studie von 2016, von Kyla Haimovitz, Ph.D. und Carol Dweck Jahr zeigt außerdem, dass die Art, wie wir auf das Scheitern unserer Kinder reagieren, sie sogar noch stärker beeinflusst als unsere Ansichten zu ihrer Intelligenz. Das Ergebnis dieser Studie zeigt:


Wenn Eltern denken, dass Versagen beschämend ist, fühlen sich Kinder durch eigene Fehler auch verunsichert und beschämt - das haben wir wahrscheinlich längst verstanden.

Das gilt jedoch auch für Situationen, in welchen Eltern versuchen ihr Kind für sein Versagen zu "trösten", indem sie beispielsweise sagen: "Nicht jeder muss gut mit Zahlen/Buchstaben etc. umgehen können.“ 

Dadurch teilen sie ihm nämlich eigentlich mit, dass sie nicht daran glauben, dass es seine mathematischen Fähigkeiten ausbauen und positiv verändern kann. Sie legen es praktisch auf seine "Unfähigkeit" fest und verhindern damit dass es Mut fasst und einen Sinn darin sehen könnte sich für dieses Fach noch anzustrengen.


Wir entmutigen unser Kind also, obwohl wir das Gegenteil erreichen wollten.

Mut machen können wir ihm, indem wir ihm Möglichkeiten aufzeigen, wie es mathematische Aufgaben leichter lösen kann.

Mut machen wir ihm, wenn wir ihm zeigen, dass Übung tatsächlich nach und nach "den Meister" macht und wir durch Wiederholen langfristig immer besser werden können:


"Vieles kann nur durch ständiges Üben und durch ständige Wiederholung erlernt werden.

Das geht allen Menschen so, und wenn wir etwas wirklich gut können wollen, müssen wir solange üben, bis wir es Schritt für Schritt besser können. Du kannst es mit deinem Körper vergleichen, wenn du mehr bzw. stärkere Muskeln haben möchtest, musst du sie täglich trainieren.

Das kann eine Weile dauern, aber langfristig lohnt es sich."

4. Andere Lösungen und Perspektiven zulassen

Als Eltern neigen wir leider dazu, nicht nur unser Wissen ständig an unsere Kinder weiter geben zu wollen, wir glauben auch, weil wir älter sind und mehr Erfahrungen haben, dass wir immer die bessere Lösung parat hätten.

Das mag sicher auch oft der Fall sein, es verhindert jedoch eigenständiges Denken, eigenes Suchen nach Lösungen, eigenes Erforschen deines Kindes. Außerdem verhindert es bei deinem Kind den Glauben an seine eigenen Fähigkeiten.

Stell dir vor, dein Partner wüsste immer alles schon besser als du.

Auf alles hat er einen Vorschlag, eine Lösung und eine Antwort und würde erwarten, dass du dich immer daran hältst und dass du sogar noch dankbar für seinen Rat bist.

Schon bei der Vorstellung würde ein solches Verhalten zu einer Trennung führen.

Lasst also eure Kinder ihren eigenen Weg gehen und ihre eigenen Lösungen finden.

Das stärkt auch den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten und lässt sie mutiger nach eigenen Lösungen suchen.

Unsere eigenen Lösungen sind nicht unbedingt immer die besten und sowieso nicht immer die einzig Richtigen. Festzustellen, dass es immer viele Optionen, Sichtweisen und Antworten gibt eröffnet schon neue Denkräume und neue Zusammenhänge für uns und damit werden wir ein besseres Vorbild für unser Kind.


Falls du Unterstützung im Zusammenleben und der Begleitung deiner Kinder benötigst oder Fragen hast, melde dich bei mir unter:


oder unter +49 176 621 00 257

Herzlichst, Eure Claudia


Stichwort: Erziehungsberatung online

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