Wie du dein Kind bei Fehlern unterstützen kannst

Aktualisiert: März 14


weiße_Lillie | Kinder erziehen

Innovationen, neue Ideen und Kreativität können dort entstehen, wo es keine Angst vor Fehlern gibt. Wo Menschen sich offen und wertschätzend begegnen und bereit sind "Kritik" offen zu äußern und "Kritik" offen entgegen zu nehmen.

Diese Offenheit gegenüber Kritik in beide Richtungen, fällt den meisten Menschen sehr schwer.

Das hat unter anderem damit zu tun, dass wir Angst vor Fehlern haben, Angst haben uns lächerlich zu machen, und unseren "Wert" als Person häufig von den Bewertungen unserer Tätigkeiten oder Leistungen und den Bewertungen anderer Menschen abhängig machen.


Wir wollen, für das wer wir sind keinen Bewertungen unterliegen. Jeder Mensch wünscht sich zutiefst anerkannt und wertgeschätzt zu werden.


Gleichzeitig haben wir Angst davor uns zu "blamieren".

Wir haben Angst davor, vielleicht etwas Dummes zu sagen, was andere dazu verleiten könnte uns abzuwerten.

Das erzeugt Scham und hält sowohl Kinder als auch Erwachsene ab, Fragen zu stellen und ihre eigenen Ideen einzubringen. Wir könnten ja belächelt und öffentlich als "unsinnig" bezeichnet werden.

Wenn Kinder wiederholt erleben, dass "Fehler" nicht erlaubt sind oder ihre Fragen als "dumm" eingestuft werden, sinkt ihr Mut, ihre Entschlussfreudigkeit und ihr "spielerisches Denken" rapide.

Ihr Glaube an ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, an ihren eigenen Wert sinkt ebenfalls.

Diese Kinder halten sich immer mehr zurück, geben Fehler eher nicht zu, haben häufig kein Durchhaltevermögen und halten sich für weniger intelligent.

Neue, kreative Ideen, Lösungen und Möglichkeiten entstehen nämlich nur in einer Atmosphäre, die Fehler nicht nur zulässt, sondern sogar als einen wichtigen Prozess von Entwicklung begreift.

Große Entdecker und Erfinder wie z.B. Thomas Edison (u.a. der Erfinder der Glühbirne) benötigte über 3000 gescheiterte Versuche, bis er die richtige Lösung gefunden hatte.

Er hatte 3000 mal keine Garantie, dass bei seinen Versuchen etwas Brauchbares entstehen wird - außer den Glauben an sich selbst und an seine eigenen Ideen.

Für ihn, waren sein wiederholtes Scheitern teil seiner Forschung und Entwicklung!

Genauso können wir lernen, Fehler und Scheitern positiv aufzufassen, wenn wir das Selbstvertrauen unserer Kinder nicht untergraben wollen.

Auch für kreative Prozesse, Innovation, Entwicklung und Lernen braucht es:

•  Mut

•  Fehlerfreundlichkeit

•  Durchhaltevermögen

•  Unbeirrbarkeit

Kinder im Vorschulalter überraschen uns häufig mit ihren fantasievollen, kreativen und witzigen Ideen, Aussagen und Überlegungen. Sie sind erfinderisch und scheuen keinesfalls vor Fehlern zurück. Fehler sind Teil des Lernens - denken wir daran wie Kinder Sprache oder das Laufen lernen. Sie lernen nach und nach - nach jedem Fehler wissen sie besser wie es geht und genauso sollten wir auch in unserer Gesellschaft Fehler endlich begreifen. Als wertvollen Zwischenschritt.               

Unsere Zukunft erfordert kreative und innovationsfreudige Menschen, die sich den immer neuen Herausforderungen unserer Gegenwart mutig stellen. 

Menschen, die nach Fehlern nicht aufgeben, die es wagen unkonventionelle                  Zusammenhänge herzustellen und immer wieder nach neuen, anderen Lösungen suchen.

Lass nicht zu, dass dein Kind den Glauben an sich und sein kreatives Potential verliert!

Kreativität, Durchhaltevermögen und Fantasie braucht dein Kind mehr denn je.

Du kannst seinen Mut, seine Vorstellungskraft und seine Lust darauf, auch schwierige Situationen meistern zu wollen, unterstützen, indem du deine eigene Haltung und deine Reaktionen auf Fehler überprüfst und richtig ausrichtest.


Was heißt das?

1. Erzähle deinem Kind von deinen eigenen Fehlern und was du durch sie lernen konntest. z.B. :

„Heute habe ich vorschnell einen Menschen verurteilt, ohne genau die Hintergründe zu kennen. Dabei weiß ich eigentlich, dass das falsch ist. Ich habe jedoch darüber nachgedacht und mich dafür entschuldigt."


Nun erzählst du deinem Kind, was du gelernt hast und wie wichtig dieser Fehler dafür war. 

(z.B. Haben wir wirklich alle Informationen in einer Situation um beurteilen zu können, warum jemand auf eine bestimmte Weise reagiert? Aus welcher Warte heraus betrachten wir eine Situation?) usw.)


In unserer Gesellschaft werden Fehler nämlich häufig verleugnet und wir schämen uns dafür.

Fehler werden als scheitern betrachtet und nicht als notwendiger Zwischenschritt, als normal.


Wir sollten aber genau das Gegenteil üben, Fehltritte hervorheben und erklären, wie wir trotzdem durchgehalten und was wir dadurch alles gelernt haben.

Damit unsere Kinder lernen, dasselbe zu tun.

2. Richtig Loben

Wenn dein Kind einen guten Test geschrieben hat, lobst du es vielleicht dafür, indem du ihm sagst, wie klug es doch sei.

Du möchtest ihm damit deine Anerkennung geben und es dafür loben.

Leider bewirkst du damit aber das genaue Gegenteil.

Die Psychologin Carol Dweck hat nachgewiesen, dass in unseren Kindern auf diese Weise der Eindruck entsteht, dass sie zu ihrer Leistung nicht wirklich etwas beitragen können, da der Grund für ihren guten Test ja ihre Intelligenz sei.

Sie hat in Forschungen nachgewiesen, dass Kinder die von ihren Eltern für ihre Intelligenz gelobt wurden, sich einer darauffolgenden, schwierigen Aufgabe nicht mehr gestellt haben, da sie Angst hatten, es nicht noch einmal so gut zu schaffen und womöglich zu versagen.

(Was ist, wenn ich gar nicht so schlau bin, wie meine Eltern glauben?)

Kinder die jedoch „nur“ für ihre Bemühung und ihre Anstrengung gelobt wurden, und deren Eltern z.B. auf diese Weise lobten:


"Wow. Da hat sich ja dein vieles Üben und Lernen wirklich gelohnt." oder "Da kannst du sehen, wie deine Anstrengungen sich lohnen. Toll gemacht."


Diese Kinder freuten sich auf die Herausforderung von folgenden, schwierigen Aufgaben und stellten sich diesen gerne.

Was heißt das für uns Eltern?


Für uns heißt das, dass wir vor allem die Bemühungen unserer Kinder, ihr Durchhaltevermögen, ihre Ideen, ihren Mut, ihre Anstrengungen loben sollten und nicht ihre Intelligenz hervorheben.


Aber auch nur, wenn sie sich auch tatsächlich bemüht und durchgehalten haben.

3. Genauso wichtig wie der Umgang mit Lob ist der Umgang mit Fehlern und Rückschlägen deiner Kinder.

Eine wissenschaftliche Studie von 2016, von Kyla Haimovitz, Ph.D. und Carol Dweck Jahr zeigt außerdem, dass die Art, wie wir auf das Scheitern unserer Kinder reagieren, sie sogar noch stärker beeinflusst als unsere Ansichten zu ihrer Intelligenz.

Mit anderen Worten:


Wenn Eltern denken, dass Versagen beschämend ist, fühlen sich Kinder durch eigene Fehler auch verunsichert und beschämt.

Aber es wird sogar noch heikler:

Denn auch wenn wir unser Kind scheinbar trösten und zum Beispiel erklären: 

"Nicht jeder muss gut mit Zahlen umgehen können.“ 

Teilen wir ihm damit eigentlich mit, dass wir nicht daran glauben, dass es seine mathematischen Fähigkeiten ausbauen und positiv verändern kann.

Wir stellen quasi fest, dass es etwas nicht kann. Es hat gar nie die Aussicht, es jemals besser zu können und braucht sich deshalb auch nicht mehr anzustrengen. Es hat ja kein Talent dazu.

Wir entmutigen unser Kind also, obwohl wir das Gegenteil erreichen wollten.

Mut machen können wir ihm, indem wir ihm Möglichkeiten aufzeigen, wie es mathematische Aufgaben leichter lösen kann.

Mut machen wir ihm, wenn wir ihm zeigen, dass Übung tatsächlich "den Meister" macht und wir durch Wiederholen besser werden können.

Oder ihm unsere Hilfe anbieten und ihm erzählen, in welchen Bereichen wir uns selbst ebenfalls sehr anstrengen mussten, um irgendwann Erfolg zu haben.


Wir können unser Kind ermutigen:


"Vieles kann nur durch ständiges Üben und durch ständige Wiederholung erlernt werden.

Das geht allen Menschen so, und wenn wir etwas wirklich gut können wollen, müssen wir solange üben, bis wir es Schritt für Schritt besser können. Das kann eine Weile dauern, aber langfristig lohnt es sich."

4. Andere Lösungen, andere Varianten, andere Betrachtungsweisen zulassen

Als Eltern neigen wir leider dazu, nicht nur unser Wissen ständig an unsere Kinder weiter geben zu wollen, wir glauben auch, weil wir älter sind und mehr Erfahrungen haben, dass wir immer die bessere Lösung parat hätten.

Das mag sicher auch oft der Fall sein, es verhindert jedoch eigenständiges Denken, eigenes Suchen nach Lösungen, eigenes Erforschen deines Kindes. Außerdem verhindert es bei deinem Kind den Glauben an seine eigenen Fähigkeiten.

Stell dir vor, dein Partner wüsste immer alles schon besser als du.

Auf alles hat er einen Vorschlag, eine Lösung und eine Antwort und würde erwarten, dass du dich immer daran hältst und dass du sogar noch dankbar für seinen Rat bist.

Schon bei der Vorstellung würde ein solches Verhalten zu einer Trennung führen.

Lasst also eure Kinder ihren eigenen Weg gehen und ihre eigenen Lösungen finden. Das stärkt auch den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten und lässt sie mutiger nach eigenen Lösungen suchen.

Unsere eigenen sind nicht unbedingt immer die Besten und sowieso nicht immer die einzig Richtigen. Festzustellen, dass es immer viele Optionen, Sichtweisen und Antworten gibt eröffnet schon neue Denkräume und neue Zusammenhänge. 


Falls du Unterstützung im Zusammenleben und der Begleitung deiner Kinder benötigst oder Fragen hast, melde dich bei mir unter:

kontakt@kinderhochdrei.de


oder unter +49 176 621 00 257

Herzlichst, Eure Claudia


Stichwort: Erziehungsberatung online

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