Wie du mit deinem Kind über Rassismus und Diskriminierung sprechen kannst

Aktualisiert: 15. Sept 2020


Leitsprüche | Kinder erziehen

Die Ermordung von George Floyd konfrontiert viele Familien zum ersten Mal bewusst mit Rassismus und Diskriminierung.

Deine Kinder stellen plötzlich Fragen zu einem Thema, mit dem du noch nie direkt konfrontiert warst und auf das du womöglich nur schwer Antworten findest.

Aber wie antwortest du richtig?

Auf welche Weise gehst du mit deinem Kind ins Gespräch über ein Thema, das dich womöglich selbst verunsichert, dir Angst macht, dich wütend macht und dich beschämt und für das du selbst vielleicht gar keine Sprache hast oder in Gefahr gerätst, dabei andere zum Opfer zu machen?




Rassismus und Diskriminierung - eine weltweite Tatsache, die du theoretisch verurteilst, über die du jedoch vielleicht noch nie wirklich tiefer nachgedacht hast.

Wie kannst du jetzt mit deinem Kind über schreckliche Tatsachen sprechen und dabei authentisch bleiben?

Jetzt ist der Zeitpunkt - egal wie alt dein Kind ist.

Wenn uns Menschen etwas Angst macht oder wir beschämt oder betroffen sind, dann neigen wir häufig zu Verallgemeinerungen und schaffen uns damit eine innere Distanz:

Man sollte dies...

Die Gesellschaft müsste endlich...

Die Politik müsste...

Das wird es immer geben...

Auf diese Weise schiebst du das Thema aber von dir weg und machst es unpersönlich - als hätte es nichts mit deinem wirklichen Leben zu tun.

Den wichtigsten Rat den ich dir deshalb gebe:

Sei persönlich. Rede nicht über Rassismus, als wäre es nicht persönlich. Rede über deine persönlichen Erfahrungen, über deine persönliche Betroffenheit, über deine persönlichen Gefühle, über deine persönlichen Vorurteile, über deine persönlichen Gedanken. Sei ehrlich. Sprich darüber, wie du selbst handelst, für was du eintrittst, lebe deinem Kind vor, was du erzählst.

Jeder von uns hat Vorurteile. Zu behaupten, du hättest keine, ist nicht hilfreich.

Zu erkennen, wo du stehst, was du denkst und wo du dich weiter entwickeln willst, ist der richtige Weg. Gib deinem Kind persönliche Beispiele aus deinem Leben. Erzähle ihm, wie du auf rassistische oder diskriminierende Erlebnisse reagiert hast oder was sie in dir ausgelöst haben.

Mein Vater, der als Grieche in Deutschland der 50er und 60er Jahre auf sehr viel Vorurteile gestoßen und sehr viel Diskriminierung erlebt hat, war selbst voller Vorurteile gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe. Er war voller Vorurteile gegenüber Muslimen. Und ich bin damit aufgewachsen.

Ich selbst habe diskriminierende Äußerungen als Kind erlebt, in der Grundschule und im Gymnasium — von Lehrern, die mich oder ein anderes ausländisches Kind vor der ganzen Klasse beschämt haben. Ich kann mich erinnern, dass ich das „normal“ fand.

Denn es war eine immer wiederkehrende Realität für mich.

Kinder glauben, dass das, was immer stattfindet, normal ist.

Kinder mit dunkler Hautfarbe begegnen sicher überall auf der Welt fast täglich Diskriminierungen und Vorurteilen. Das allein sollten wir uns einmal bewusst machen.

Sie glauben, das sei normal.

Ich fühle mich auch nicht wohl dabei, über meine eigenen Vorurteile zu sprechen.

Aber hier geht es wahrhaftig nicht darum, sich wohl zu fühlen.

Es geht um Hinschauen, es geht um rückhaltlose, ehrliche Bestandsaufnahme, um sich selbst und dem, wie wir zu unseren Vorurteilen gekommen sind, auf die Spur zu kommen.

Darum, sich ehrlich anzuschauen, inwieweit wir uns unserem Rassismus und unseren Vorurteilen bewusst sind, um sie zu verändern.

Es geht um ehrliche Auseinandersetzung.

Ich habe z.B. aktuell einen Artikel einer Afroamerikanerin darüber gelesen, wie sehr sie es satt hat, dass fremde Menschen ihr ungefragt ins Haar fassen; oder fragen, ob sie es dürfen. Sie erlebt damit fast täglich rassistische Übergriffe.

Ich habe das zwar noch nie gemacht, fühlte mich aber trotzdem beschämt, denn wenn ich eine Schwarze Frau mit offen getragenen Haaren sehe, bin ich hin und weg. Und ich würde die Haare am liebsten auch anfassen. Und ich habe mir bisher nie darüber Gedanken gemacht, welche Gefühle das auslöst und dass ich mich verhalte, als sei sie ein Zootier.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Reaktionen darauf sind: Das ist doch nicht so gemeint. Das ist doch übertrieben.

Aber genau diese Reaktionen sind das Problem. Immer wieder wollen wir Weißen nicht als rassistisch gesehen werden und banalisieren oder verharmlosen deshalb unser eigenes Verhalten.

Oder wir behaupten, dass Reaktionen oder Befindlichkeiten der Schwarzen, (der Frauen, der Ausländer...) doch wirklich etwas übertrieben seien.


Falls Du Interesse hast mit mir zu arbeiten und / oder Fragen hast, schreibe mir , Claudia eine kurze Nachricht unter kontakt@kinderhochdrei.de

Stichwort: Erziehungsberatung online


Genau so verhalten sich noch immer viele Männer, wenn es um die Diskriminierung von Frauen geht. Das möchte ich hier einmal zu bedenken geben.

Aber Ausgrenzung beginnt in dem Moment, indem wir Bezeichnungen für die sogenannten „Anderen“ haben. Wer sind die Anderen? Das sind die, die nicht so sind wie wir, die außerhalb unserer Gruppe stehen, die nicht dazu gehören.

Die Schwarzen...

Die Ausländer...

Etc.

Für uns Weiße braucht es keine extra Definition...

Hier beginnt Rassismus und Diskriminierung.

Das wichtigste Mittel gegen Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus ist für Eltern:

Sei ein gutes Vorbild.

Tritt für deine Werte und Vorstellungen ein.

Wenn du Ungerechtigkeit siehst, von ihr liest oder hörst, sprich darüber und setze dich für Gerechtigkeit ein. Du kannst damit schon beginnen, wenn dein Kind klein ist, ca. 3 - 4 Jahre alt. In dem Alter beginnen Kinder, Unterschiede zu erkennen und Fragen dazu zu stellen.

Mich hat einmal ein afrikanischer Junge gefragt, wieso er so braune Haut habe und die anderen nicht.

Du kannst darüber sprechen, wie unsere Haut aufgebaut ist und wie die Menge an Melanin in der Haut darüber entscheidet, wie hell oder wie dunkel die Haut ist. Dass die Haut damit vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Du kannst darüber sprechen, dass Unterschiedlichkeit ganz normal ist. So wie es unterschiedliche Haarfarben gibt, unterschiedliche Körper, unterschiedliche Augenfarben, unterschiedliche Sprachen ‑ unsere Welt ist deshalb so vielfältig und reich, weil es Unterschiede gibt. Überall.

Je älter dein Kind ist, umso differenzierter kannst du mit ihm sprechen.


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Stichwort: Bindungsorientierte Erziehung

Bilder- und Kinderbücher für mehr Toleranz und gegen Rassismus:

Die Kinderwelten Bücherliste zum Thema Flucht und Migration:

https://www.situationsansatz.de/files/texte%20ista/ista_pdf/Handreichung_Kinderb%C3%BC_Flucht_fin_Jan19.pdf

Sarah Mcintyre: „Wer freut sich über neue Nachbarn?“

Kathryn Cave & Chris Riddell: “Irgendwie anders.”

Karin Gruß (Hrsg): “Wer tanzt schon gern allein?“

Helen & Thomas Docherty: „Abrakazebra.“

•. Maisie Paradise Shearring: “Anna und Otis.”

Ricardo Cie: „Schokolade und Sahne.“

Susana Gómez Redondo (Autorin) und Sonja Wimmer (Illustratorin):“

Am Tag, als Saida zu uns kam.“

• Anja Tuckermann & Tine Schulz: „Alle da! Unser kunterbuntes Leben.“

Claude K. Dubois: „Akim rennt.“

•. Ceri Roberts und Hanane Kai: „Wie ist es, wenn man kein Zuhause hat?

Alles über Flucht und Migration.“

• Irena Kobald & Freya Blackwood: „Zuhause kann überall sein

• Thomas Hussung: „Der Brückentroll.“

• Giancarlo Macrì, Carolina Zanotti, Salah Naoura: “Punkte.“

• Brigitte Weninger & Eve Tharlet: “Kind ist Kind.”

• Sally Altschuler & Sven Nordquist: Als Herr Babel (k)einen Turm baute.“

•.Carolin Jenkner-Kruel: Waldfee Wilma. „Ein Zuhause für Yara und Feli.“

• Stefanie Taschinski: „Funklerwald.“

• Edith Schreiber-Wicke & Carola Holland: „Als die Raben noch bunt waren.“

Literaturtipps für Erwachsene:

• „Me and White Supremacy“ von @laylafsaad


• „White Fragility, why it is so hard for white people to talk about racism” von Robin

Diangelo . www.robindiangelo.com


• „So you want to talk about race“ von @ijeomaoluo


• “How to be an antiracist” von Ibram X. Kendi | @ibramxk | www.bu.edu/antiracist-center


• „Why I’m no longer talking to white people about race“ von @renieddolodge


• „I know why the caged bird sings“ von @drmayaangelou | www.mayaangelou.com


• „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.“

Von Alice Hasters @alice_haruko | www.hanser-literaturverlage.de/autor/alice-hasters


• „They can’t kill us all: The story of Black Lives Matter“ von @wesleylowery


• „The Inner Work of Racial Justice: Healing Ourselves and Transforming Our Communities

Through Mindfulness“ von Rhonda V. Magee

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