Die Entwicklung eines guten Selbstwertes

Aktualisiert: März 6


Kind mit Welpe | Kinder und Grenzen

Durch Bindung lernen unsere Kinder Anpassungsfähigkeiten.

Durch Autonomie lernen unsere Kinder Abgrenzungsfähigkeiten.



Durch die Balance zwischen guter Bindung und gelungener Autonomie entwickelt sich über die Zeit der Selbstwert unseres Kindes.

Nach der Geburt unseres Kindes - also in dem Moment der "Ent - Bindung" - entstehen die Grundbedürfnisse nach Bindung und Autonomie.

Eine sichere Bindung ist dabei die Wurzel.

Vergleichbar mit der Wurzel eines Baumes, gibt sie deinem Kind Sicherheit, Orientierung, Halt und Stabilität.

Auch wenn es einmal "stürmischer" in seinem Leben zugehen sollte, bleibt es fest verwurzelt.

Menschen - als sind soziale Wesen - suchen nach (Ver) Bindung.

Dafür müssen wir lernen zu kooperieren, uns abzugrenzen und zu kommunizieren.

Wir wollen uns also nicht nur (ver)binden sondern wollen auch unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse durchsetzen und Autonomie erlangen.

Wir streben also auch danach unser Leben selbst bestimmen zu können.

Wir wollen Einfluß auf unser Leben nehmen können und unser Leben selbst bestimmen können.

Wir streben nach Erkundung, Erforschung und Selbstständigkeit.


Neben all der Verbundenheit wollen wir uns frei fühlen. Wir streben also ebenso nach Autonomie!


Frei wie ein Vogel, der auf dem verwurzelten Baum nistet, jedoch jederzeit davon fliegen kann.


Diese zwei scheinbaren "Gegenspieler" sollten sich möglichst in Balance entwickeln.


Um autonom zu werden, braucht unser Kind "Selbstwirksamkeits - Erfahrungen", die ihm Selbstvertrauen, Mut und Zutrauen zu sich und dem Leben vermitteln.

Ihm das Gefühl geben, ich kann selbst mein Leben langfristig zum Guten verändern.

Ich kann mein Leben selbst bestimmen.

Ich kann auf mein leben einwirken und es gegebenenfalls verändern.


Wie wir uns sofort vorstellen können, zeigt sich diese Fähigkeit besonders deutlich, wenn wir in einer schwierigen Situation stecken. Wenn wir nämlich die Erfahrung gemacht haben, ich kann mir auch selbst helfen, ich kann mein Leben mitbestimmen, dann fasse ich Mut und unternehme etwas.

Falls ich keine Selbstwirksamkeitserfahrungen machen konnte, überkommt mich eventuell Hilflosigkeit.

Wenn die Balance zwischen Bindung und Autonomie also gut gelingt, dessen Selbstwert kann sich gut entwickeln.

Wessen Selbstwert gut entwickelt ist, muss niemanden ausgrenzen oder abwerten, um sich aufzuwerten.

Schon Säuglinge zeigen ihr Bestreben nach Selbstwirksamkeit.

Ein Beispiel:

Indem sie schreien und die Erfahrung machen, dass jemand kommt - sie mit ihrem Schreien im besten Fall also etwas erreichen und ihr Bedürfnis erfüllt wird - machen sie gleichzeitig die Erfahrung von "Bindung" und "Autonomie".

Da ist jemand, der mir Sicherheit, Liebe, Essen und Halt usw. gibt (Bindung) und ich kann etwas bewirken in dem ich schreie (Selbstwirksamkeit).


Ich kann durch mein Schreien bewirken, dass jemand kommt und mein Bedürfnis erfüllt.


Das sind die Grunderfahrungen im Leben eines Kindes und deshalb ist es so wichtig, dass diese in den ersten ca. zwei Lebensjahren tatsächlich sicher erfüllt werden.


Denn darüber erhält das Kind das Gefühl:

Bin ich es wert, dass für mich liebevoll gesorgt wird?

Oder bin ich es nicht wert und der, der erscheint zeigt immer wieder, dass er sich über mein "melden" ärgert?

(vgl.: Bauer, J. : Fühlen was die Welt fühlt, 2020, München)


Ab dem zweiten Lebensjahr, wird das Kind seine Welt nach und nach immer aktiver und selbstbestimmter erkunden wollen. Und das ist auch gut so. Es braucht nun die Erfahrung über sein Leben mitbestimmen zu können und eingreifen zu können. Es will erste Erfahrungen machen, sich etwas "unabhängiger" zu fühlen, indem es eigene Entscheidungen treffen darf.

Es möchte also erleben, dass es über sein eigenes Leben mitbestimmen darf und kann.


Die Wünsche der Mitbestimmung erscheinen - aus unserer Sicht - häufig wie banale Kleinigkeiten:


• "Ich will meine Schuhe alleine anziehen."

• Ich will alleine essen.

• Ich will alleine....

• ich kann das aber...

• Nein, ich will..


Für unser Kind sind es jedoch enorm wichtige Selbstwirksamkeit- Erfahrungen.

Die ersten Schritte, die ihm den Weg in seine Autonomie zeigen. Die ihm jedoch gleichzeitig zeigen, ich werde mit meinem Wunsch und mit meinen Gefühlen ernst genommen.


Auch, wenn meine Wünsche nicht immer erfüllt werden (können).

Der Selbstwert unseres Kindes entwickelt sich also darüber wie und welche Rückmeldungen wir ihm geben und welche Erfahrungen es macht. Rückmeldungen in Bezug darauf, was es selbst bewirken kann in seinem Leben, aber auch wie es auf andere wirkt. Das ist genauso wichtig.


Wie wirke ich auf andere? Hier kommt eine neue Perspektive ins Spiel, die sich bei unserem Kind erst durch unsere Unterstützung entwickeln kann. (ab ca. dem 2. Lebensjahr)

(vgl.: Bauer, J.: Fühlen was die Welt fühlt, 2020, München)

Ist es angemessen, mich auf den Boden zu werfen und zu schreien, wenn ich etwas will?

Wie wirke ich auf andere - auch hier braucht unser Kind unsere regelmäßigen Rückmeldungen und mit unserer Hilfe kann es lernen, wie es sich z.B. bei starken Gefühlen regulieren kann.

Wieviel bin ich WERT? Der Selbstwert entwickelt sich also z.B. über folgende Erfahrungen:

Darf ich mein Bedürfnis äußern?

Darf ich Fragen stellen?

Darf ich die Wahrheit sagen?

Darf ich Fehler und Scheitern zugeben?

Darf ich Kritik äußern und kann ich Rückmeldungen annehmen?

Darf ich Forderungen stellen?


Werde ich als Mensch "verurteilt" oder wird mein "Verhalten" in Frage gestellt?

Werde ich mit meinen Wünschen und Gefühlen ausgelacht, verurteilt oder ernst genommen?

Welche Rückmeldungen geben wir unserem Kind?


Wenn wir diese Dinge als Eltern weitgehend zulassen und gut machen, also auch einen Unterschied machen zwischen der Person unseres Kindes und seinem Verhalten und versuchen eine fehlerfreundliche Familien Kultur zu schaffen, dann fühlt sich unser Kind wertvoll und geliebt.


Welches Gefühl wir unserem Kind vermitteln, steuert nämlich sein Erleben und sein Handeln.


Wenn es nämlich davon ausgeht: Ich bin nichts wert, dann wird es sich nicht wirklich "zeigen", es wird wird nichts einfordern und sich auch nicht trauen seine Fehler, sein scheitern, seine Misserfolge oder auch "schlechte Entscheidungen" zuzugeben.


Es wird glauben, es müsse perfekt sein, um geliebt zu werden oder es bekommt das Gefühl es sei sowieso sinnlos, sich anzustrengen, denn es habe kein Recht dazu für sich einzutreten.

Kinder mit einem gesunden Selbstwert leben dagegen im Einklang mit sich selbst.


Sie können sich und anderen ihre Fehler eingestehen.

Sie verzeihen sich ihr Versagen und nehmen sich selbst an.

Sie können ihre Misserfolge richtig einschätzen und sich selbst immer wieder Mut machen.

Sie können Ja sagen und in Verbindung gehen, jedoch auch Nein sagen und sich von anderen abgrenzen.

Du kannst das Selbstwertgefühl deines Kindes stärken, indem du:

• Ihm zuhörst und seine Gefühle immer ernst nimmst - auch, wenn du es nicht verstehst.

• Wenn du dir für dein Kind Zeit nimmst und versuchst es zu verstehen.

• Wenn du es auffängst, wenn es scheitert.


• Wenn es wahrgenommen, gesehen und geliebt wird.

• Wenn es seine Grenzen selbst ausloten darf.


• Wenn du ihm die Möglichkeiten gibst, seine Grenzen auch überwinden zu können.


• Wenn du ihm Mut machst sich auch schwierigen Herausforderungen zu stellen.


• Indem du als Vorbild immer integer agierst. Deine Aussagen mit deinen Handlungen

übereinstimmen.

• Wenn du ihm Möglichkeiten bereit stellst, sich eigenständig Wissen anzueignen.

• Wenn du seine Neugierde unterstützt

• Wenn du selbstständiges Nachdenken unterstützt und dich mit deinem Wissen

   zurück hältst.

• Wenn du ihm Aufgaben gibst, die seinem Alter entsprechen

• Wenn du Vertrauen in seine Fähigkeiten und in seine Entwicklung hast

Beobachte dein Kind und versuche zu erkennen:

• Welche Fragen es stellt?

• Für was es sich interessiert?

• Was es wissen will ?

• Was es alleine machen will ?


Und frage dich:

• Was kannst du tun, um das Interesse deines Kindes zu unterstützen?

• Wie kannst du seine Lernerfahrungen verselbstständigen?

• Was kannst du deine Kinder selbst machen lassen?

• Wobei sind sie zufrieden und glücklich?

• Gibst du ihnen genug Raum für eigene Erfahrungen?

Falls du Fragen hast oder mit mir arbeiten möchtest, schreibe mir einfach eine kurze email unter: 

kontakt@kinderhochdrei.de

oder ruf mich an oder schreibe mir eine kurze Nachricht unter:

+49 176 621 00 267

Ich freue mich auf Dich,

Herzlichst, Claudia


Erziehungsberatung online | Erziehungsberatung Stuttgart



Fachliteratur:


Bauer, J.: Selbststeuerung: Die Wiederentdeckung des freien Willens, 2015, München

Bauer, J.: Fühlen was die Welt fühlt, 2020, München

Zimmer, R.: Handbuch Sinneswahrnehmung. Grundlagen einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung. 2019, Freiburg im Breisgau

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